Diesen Mittwoch, am 8. März, jährt sich der Internationale Frauentag. Zeit, in der Presse Bilanz zu ziehen, darüber, was in der Zwischenzeit erreicht wurde (oder eben nicht). CEOs von Grossunternehmen erzählen von ihren Frauenförderungsprogrammen, von „Zeichen der Hoffnung“ und den Zielen, die sie sich auch für dieses Jahr wieder setzen. Ein kurzer Blick in die Statistik zeigt, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen seit 2011 in der Schweiz stagniert.

Gestatten Sie mir für einmal ein „Schwarz-Weiss-Statement“. Ich bin der Meinung, dass die Erreichung dieses Zieles sowohl Programme und Massnahmen mit Fokus auf Frauen ALS AUCH auf Männer notwendig machen.

… und gestatten Sie mir auch, meine Beobachtung in der vorliegenden Thematik auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie von Führungskräften zu reduzieren.

… und verzeihen Sie mir, dass ich mich spontan auf zwei, sehr kurz gehaltene, theoretisch ohne weiteres umsetzbare Gedankengänge beschränke. Gedankengänge, die sich darauf beziehen, dass Mütter und Väter eine echte Wahlmöglichkeit haben. Gedankengänge, die den steigenden Trend zu Teilzeitarbeit bei beiden Geschlechtern miteinschliessen und den, dass Väter vermehrt Anteil an der Entwicklung ihrer Kinder nehmen möchten.

1. „Führungspositionen im Teilzeitpensum sind normal.“

In den meisten Unternehmen, in denen ich tätig war, galt offiziell oder inoffiziell, dass die Reduktion des Arbeitspensums einen Karrierekiller darstellt. Dies betraf sowohl weibliche als auch männliche Führungskräfte. Der Glaube scheint sehr tief verankert zu sein, dass die mit Führungsaufgaben einhergehenden Aufgaben und Verantwortungen nur mit einem 100%-Arbeitspensum geleistet und getragen werden können.

Ich war als Führungskraft mit Vollzeitpensum teils sehr viel unterwegs und stand meinen Teams durchschnittlich an drei Tagen pro Woche zur Verfügung. Ich konnte meinen Führungsaufgaben und Verantwortungen ohne weiteres gerecht werden.

Aufgaben kann man delegieren und Verantwortungen übertragen. Die Menschen, die MANN oder FRAU führen, haben Stärken und Potentiale, die es zu stärken und freizusetzen gilt. Führungskräfte in Unternehmen sich wichtig, aber nicht grundlegend.

Ist es in Unternehmen normal, dass weibliche UND männliche Führungskräfte auch in Teilzeit tätig sind, können Mütter und Väter ihrem Karrierepfad weiterhin folgen UND ihrer Familie gerecht werden.

2. „Weibliche und männliche Führungskräfte verdienen gleich viel.“

In den zurückliegenden Jahren stellte ich fest, dass sich werdende Mütter und Väter in meinem Freundes- und Bekanntenkreis die immergleichen Fragen stellten.

Wer von beiden wird sein Arbeitspensum reduzieren? Wer verdient mehr? Die Rechnung ist in der Regel heute leider schnell gemacht. Verdienen Frauen und Männer in Führungspositionen gleich, stehen sie vor einer wirklichen Wahl, wer oder ob beide das Arbeitspensum reduziert. Geschlechterneutrale Lohnformeln bestehend z.B. aus Ausbildungen, Verantwortung, Erfahrung, Skills, und so weiter machen dies möglich.

… und gestatten Sie mir am Schluss noch eine etwas provokante, eher nicht im engeren Kontext stehende Frage zur Selbstreflektion. Weshalb echauffieren wir Männer und Frauen in unserem Land uns über die Kultur von Flüchtlingen aus muslimischen Ländern, wenn wir in Wahrheit selbst in der Geschlechtergleichstellung nicht wirklich auf der Welle des Erfolgs und Wandels reiten?