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Liebe Populisten und liebe Mitläufer

Ihr (Populisten) versucht, uns Menschen in ein postfaktisches Zeitalter zu führen. Ein Zeitalter, in dem Ihr Emotionen mehr Gewicht gebt als Fakten, in dem Ihr die faktische Wahrheit mit Eurer gefühlten Wahrheit ersetzt und das herausfiltert, was Euch gefällt.

Ihr versprecht, Mauern zu bauen. Ihr propagiert den Austritt aus der Europäischen Union. Ihr sprecht von einem Kampf für die Zukunft des eigenen Volkes gegen… Islam, Flüchtlinge… oder kurz: gegen „Andere“.

Eure Dramaturgie

Ihr (Populisten) schürt zuerst Angst und benutzt Naturkatastrophen als Metapher: „… gigantische Migrantenwellen, die hier ankommen….“ (Marine Le Pen, Front National) oder „… dass dieser unsägliche Asyl-Orkan über Europa hinwegfegt…“ (Björn Höcke, AfD). Damit wollt Ihr erreichen, dass Menschen die aktuellen Probleme als grösser wahrnehmen, als sie sich in der Realität tatsächlich darstellen. Die Menschen sollen sich machtlos fühlen.

Ihr droht dann den Untergang an: „Frankreich wurde verletzbar gemacht. Es muss sich wieder bewaffnen.“ (Marine Le Pen, Front National) oder „Das ist eine feindliche Übernahme.“ (Heinz-Christian Strache, FPÖ). Damit wollt Ihr erreichen, dass sich die Menschen verloren fühlen, denken, dass sie sich im Krieg befinden.

Ihr inszeniert Euch schlussendlich selbst als die Helden, die uns alle erlösen, von den von Euch ausgedachten – postfaktischen – Wahrheiten: „Wir werden den Islam besiegen.“ (Geert Wilders, Party of Freedom) oder „Ich werde mit Euch für die Zukunft unseres Volkes und unserer Kinder hier kämpfen.“ (Björn Höcke, AfD). Damit wollt Ihr erreichen, dass die Menschen denken, dass Ihr die Einzigen seid, die das Problem erkannt haben und die zu unserer Rettung eilen.

Eure Lösungskonzepte

Ihr (Populisten) greift Lösungskonzepte auf, die sich in unserer geschichtlichen Vergangenheit nicht bewährt haben.

1. Mauerbau: Zu was hat der Bau der Berliner Mauer geführt oder die „Abschottung gegen äussere Feinde“ von Kuba oder Saudi Arabien? Zum Beispiel zu einem ununterbrochenen Strom von Republikflüchtlingen – trotz Todesopfern in der „Sektorengrenze“. Zu wirtschaftlich kollabierten Ländern, zu Menschenrechtsverletzten, Gewalt und Willkür gegen das eigene Volk.

2. Austritt aus der Europäischen Union: Zu was hat das Hegemoniestreben der Nationen in Europa geführt? Zum Beispiel zum Dreissigjährigen Krieg und einem Europa, dass mehr als ein Jahrhundert benötigte, um sich von dem wirtschaftlichen und sozialen Ruin zu erholen.

3. Kampf gegen die „Anderen“: Zu was hat uns unser Denken und Handeln „Wir sind besser als die Anderen“ geführt? Zum Beispiel zu Millionen von Todesopfern durch Religions- (Kreuzzüge) und Ideologienkriege (Faschismus, Kommunismus).

Ihr (Mitläufer) wollt bewusst manipuliert werden. Ihr wollt nichts sehen und nichts hören. Ihr jubelt Populisten zu, die mit Euren Emotionen spielen und die alte, nicht funktionierende Lösungskonzepte propagieren.

Wir als Gemeinschaft bestehen glücklicherweise nicht nur aus Gestrigen und “Neue-Lösungen-Muffeln”. Wir haben auch Menschen unter uns, die sich ernsthaft mit neuen Wegen auseinandersetzen und nach Lösungen suchen, wie beispielsweise Margrit Osterloh und Bruno S. Frey zum Thema Flüchtlingspolitik. Sie schlagen einen Eintrittspreis für Flüchtlinge vor, einen Betrag, der anstatt wie heute an die Schlepper an das Empfängerland fliesst, in das die Flüchtlinge dann gefahrenlos einreissen und darin arbeiten können. Auf der einen Seite besteht dadurch für jedes Empfängerland die Möglichkeit, mit der Höhe des Eintrittspreises die Migration zu regulieren. Auf der anderen Seite werden Migranten als souveräne Akteure behandelt, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können.

Wir können das alle tun. Wir können jederzeit nicht nur unser eigenes Schicksal, sondern auch das von uns als Gemeinschaft in die Hand nehmen. Zukunftsgerichtete Ideen und Lösungsvorschläge als Diskussionsgrundlage bestehen ja bereits viele.

4 Comments

  1. Sascha Dengler 4. Dezember 2016 at 22:18 - Reply

    Ein Artikel zum Nachdenken. Danke Juliane

  2. Florian Steinsiepe 5. Dezember 2016 at 08:23 - Reply

    Starke Message, starke Artikel. I’m in!

  3. Bernd Kästner 8. Dezember 2016 at 11:40 - Reply

    Ein sehr guter Artikel, den man bei seiner Bewertung der aktuellen Situation unbedingt mit einbeziehen sollte.

  4. Juliane Kaestner 21. September 2017 at 15:48 - Reply

    Ich möchte meinen Artikel gern mit einem Zitat aus dem Buch “Montaigne” von Stefan Zweig ergänzen:
    “Die zeitlichen Geschehnisse sind machtlos über dich, sofern du dich weigerst, an ihnen teilzunehmen, der Wahnsinn der Zeit (ist) keine wirkliche Not, solange du selbst deine Klarheit behältst. Und selbst die schlimmsten deiner Erlebnisse, die scheinbaren Erniedrigungen, die Schläge des Schicksals, du fühlst sie nur, solange du schwach vor ihnen wirst, denn wer ist es als du selbst, der ihnen Wert und Schwere, der ihnen Lust und Schmerz zuteilt? Nichts kann dein Ich erheben und erniedrigen als du selbst – selbst der schwerste Druck von aussen hebt (den) leicht auf, der innerlich fest und frei bleibt.”

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